AG Cambridge IX: The Eagle and the Punting Man – Freizeitgestaltung

King'sCollegeDie Stipendiaten und Stipendiatinnen der AG Cambridge haben sich ein Jahr lang mit den Besonderheiten der Universiät Cambridge beschäftigt. Vom 08.10 bis zum 12.10. waren sie schließlich in Cambridge und berichten nun über ihre Erfahrungen.

Wir wollten Ergebnisse! Daher blieb in den paar Tagen, obwohl sie nicht vollkommen verplant waren, nicht viel Zeit für persönliche Interessen. Es hieß unbekannte Menschen ansprechen, Geheimnisse aus den alten Universitätsmauern kitzeln, bedeutungsschwangere Informationen sammeln. Glücklicherweise musste man nie lange nach erzählfreudigen Studenten suchen, da Cambridge von diesen überquillt.

Freizeit bedeutete dann tagsüber sich Essbares jagen und abends ins Pub gehen. So kam es also, dass wir uns jeden Abend in einer anderen Lokalität zusammenfanden, um den Tag auszuwerten und Erfahrungen auszutauschen. Langweilig wurde es dabei nie, ergaben sich doch stets Diskussionen über die ganz existentiellen Themen des Lebens. Die Stärkung unserer eigenen Gruppendynamik blieb dabei nicht das einzige Ergebnis der abendlichen Ausklänge.

Schließlich lieferten uns die Kneipenbesuche tiefe Einblicke in das Cambridger Studentenleben. Gleich am ersten Abend landeten wir im wohl geschichtsträchtigsten Pub der Stadt: The Eagle. Nach einigen Auflockerungsübungen sprachen wir dort bereits Studenten an. Je später der Abend, umso feuchtfröhlicher kamen uns vor allem die Freshers (Erstsmesterstudenten) vor, die zum Teil in Kostümen erschienen. Je nach College und Fachrichtung wurden Mottos von den höheren Semestern vorgegeben. Wir lernten „berühmte Paare“ kennen wie Pinguin und Pirat oder Engel und Wolke.

TheEagle

Auf dem Weg zum nächsten Pub wurde der Unterschied zwischen der traditionellen Festlichkeit, die die Immatrikulationsveranstaltungen am Nachmittag boten, und der ausgelassenen Partystimmung des Abends dann noch deutlicher.

Eine Mischung aus Freizeit und der Arbeit an unserem Projekt bildeten auch die Begegnungen mit der Cambridge University German Society. Diese Gesellschaft gründete sich Anfang des 20. Jahrhunderts und vernetzt sowohl deutsche Studenten in Cambridge als auch Studenten anderer Nationen, die sich für die deutsche Sprache und Kultur interessieren. Mit der locker gemeinten Anfrage „Just a few people who want to talk to us and drink a pint would be fine“, die wir per Email an das Komitee der CUGS schickten, hofften wir, jemanden zu erreichen, mit dem wir uns in angenehmer Atmosphäre austauschen könnten.

So kam es am Donnerstagabend zum Treffen mit Robert, der zu eben jenem Komitee gehört (Sponsorship and Corporate Liaison Officer) und für uns eine Art Vermittlerfunktion übernahm. Er fütterte uns mit interessanten Informationen und erfuhr selbst einiges über unser Projekt. Durch seine Mithilfe kam die von uns erstellte Internetumfrage für Studenten der University of Cambridge erst richtig voran.

Am Donnerstag machten wir außerdem einen Bootsausflug auf dem Campus. Punting wurde uns als DAS touristische Ereignis in Cambridge empfohlen. Durch den engen Kanal und das niedrige Boot entstand eine interessante Perspektive. Wir mussten ehrfurchtsvoll zu den alten Gemäuern aufschauen, an denen wir vorbeigondelten, während der von uns liebevoll getaufte Punting Man mystische Geschichten dazu erzählte. Diese sollte man wohl nicht zu ernst nehmen, weshalb sich der Ausflug getrost als Freizeitgestaltung bezeichnen lässt.

Punting

Katrin, ein weiteres Mitglied der CUGS, erklärte uns bei unserem Treffen am Freitag, dass es sogar eine Gruppe von Studenten gäbe, die sich über die Lügen der Punting Men austauschen würde. Denn diese würden sich einen Großteil ihrer Erzählungen nur ausdenken. Das passte zu dem lässigen Typen mit struppigen Haaren, der sich ständig verhaspelte und daraufhin verbesserte.

Die Begegnung mit Katrin war dafür umso aufschlussreicher. Zum einen verabredete sie sich mit uns nicht in einem der zentralen Pubs, sondern in einem gemütlichen Café, das den Hinterraum eines Ladens für skandinavische Gegenstände darstellte. So lernten wir etwas anderes als die gängigen Touristenpunkte kennen. Zum anderen brachte sie das eindeutige Bild, dass wir uns bisher von Cambridge gemacht hatten, zu Fall. Sie stellte vieles in Frage und äußerte Kritik. So bejahte sie zum Beispiel die Existenz der teilweise abstrusen Regeln für Studenten. Doch verneinte sie deren strikte Einhaltung bzw. Kontrolle.

Wir kamen zu dritt und passender Weise waren wir nur Frauen. Denn Katrin gehört dem Newnham College an, einem der wenigen reinen Frauen Colleges. So konnte sie uns im Anschluss an unser Gespräch noch unauffällig durch ihr College führen, auf das unter anderem Rosalind Franklin (die „dark lady“ der DNA) ging. Die saftigen grünen Wiesen waren dabei obligatorisch. Jedoch durfte man sie hier betreten.

– Constanze Wirsing –

(Fotos (in genannter Reihenfolge): Maria Migawa, Stefanie Gäbler, Aron Kirschen)

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