Stipendiatenportrait: Nyaz Sirouskabiri

Nyaz freut sich über den leckeren Kaffee und Kuchen, den es im Elbsalon gibt – auch wenn er die typischen Gerichte aus seiner Heimat, dem Iran, ganz schön vermisst. Eines seiner Lieblingsessen heißt auf Persisch „Abguscht“, was direkt übersetzt so viel bedeutet wie „Wasser und Fleisch“. Auch Kebab mit Reis hat er zuhause in Teheran viel gegessen, der deutsche Kebab ist einfach nicht vergleichbar damit – aber auch lecker.

Trotzdem ist Nyaz, 28, überglücklich, in Deutschland, genauer gesagt, in Dresden, gelandet zu sein. Er hat hier einen Masterplatz im Studiengang Textil- und Konfektionstechnik bekommen, welchen es in Deutschland nur an wenigen Universitäten gibt und der an der TU Dresden ganz besonders qualitativ sein soll.

Gerade hat er die erste Prüfungszeit und somit viel Zeit in der SLUB hinter sich gebracht. An Tagen, an denen dort zu viel los war, hat er auch manchmal in der Stadtbibliothek gelernt. Die SLUB gefällt ihm allerdings besser – aufgrund der tollen Atmosphäre durch die vielen Studenten und der Möglichkeit, Kaffee zu trinken. Nun genießt Nyaz etwas Freizeit, während der er über soziale Netzwerke mit seiner Familie im Iran im Kontakt bleibt (seine zwei Brüder vermisst er sehr), Fitness macht, sich über Sportergebnisse auf dem Laufenden hält oder Freunde trifft. Außerdem versucht er, bei jeder Gelegenheit seine Deutschkenntnisse weiterzuentwickeln. Im Moment verfasst er eine Projektarbeit für seinen Deutschkurs zum selbstgewählten Thema „Polyamid“, uns Laien besser bekannt als Nylon. Noch lieber als Schreiben und Lesen ist ihm jedoch das Deutschsprechen. In der Uni ist das gar nicht so einfach, da sich oft deutsche und nicht-deutsche Grüppchen zusammen finden, aber er gibt sich Mühe, diese Trennung aufzubrechen. Er hatte im Iran zweieinhalb Jahre lang Deutschkurse belegt, ist nun seit 6 Monaten hier und drückt sich bereits mit großer Wortgewandtheit aus – unter anderem übt er mit seiner Mitbewohnerin, wenn sie zuhause ist. Es hat eine Weile gedauert, ein WG-Zimmer zu finden, die Mühen waren es ihm aber nach mehreren Monaten im Gästehaus wert.

Als Kind wollte Nyaz Wissenschaftler werden und auch jetzt liegt seine größte Leidenschaft in seinem Studiengang beim Fachbereich Chemie. Er ist jedoch höchst motiviert dabei, sich in alle anderen einzuarbeiten. Er könnte sich gut vorstellen, den Kindheitstraum zu verwirklichen, falls sich später eine freie Promotionsstelle findet. Insgesamt plant er aber nicht so gerne zu weit im Voraus, sondern lässt das Leben auf sich zukommen. Was aber auf jeden Fall weiterhin auf dem Programm stehen soll, sind erste Arbeitserfahrungen und, wenn auch spontan, Reisen in Deutschland und Europa. Bisher hat er u.a. Hamburg, Bochum, Düsseldorf und Leipzig besichtigt. Düsseldorf hat ihm besonders gefallen, in Hamburg war er sehr glücklich, seinen dort lebenden Onkel seit 17 Jahren zum ersten Mal wieder zu sehen. Trotzdem ist er froh, in Dresden zu leben, ihm gefällt diese Stadt sehr, vor allem die Altstadt.

Allgemein an Deutschland beeindrucken ihn die Ordnung und Disziplin, die im Alltag zu finden sind. (Er selbst denkt, dass er vielleicht manchmal Dinge auf die leichte Schulter nimmt. Auf mein Kommentar hin, dass diese Leichtigkeit einigen Deutschen manchmal nicht schaden würde, lacht er erfreut.) Außerdem genießt er in Deutschland die vielen Freiheiten und Sicherheiten, die in seinem Heimatland nicht selbstverständlich sind.

Durch das Deutschlandstipendium kommt noch eine weitere Sicherheit, die auf finanzieller Ebene, hinzu: Er erinnert sich noch an den Moment, in dem er die nachträgliche Zusage erhielt. Zunächst hatte er einen Platz auf der Warteliste erhalten – als dann doch noch sehr schnell die Zusage kam, war er überglücklich. Heute kann er sich nicht vorstellen, wie sein Alltag sonst weitergegangen wäre. Durch die finanzielle Unterstützung kann er sich einfacher auf sein Studium konzentrieren und alle Vorlesungen besuchen, wofür er sehr dankbar ist. Die Förderung vereinfacht es ihm, für seinen Lebensunterhalt einkaufen zu gehen und ermöglicht ihm einige Dinge, die zu Beginn seiner Zeit in Dresden unvorstellbar waren.

Nicht weniger ist Nyaz jedoch dankbar über das Stipendiums-Netzwerk: Die erste großen Stipendiumsfeier im Dezember 2017 hat ihm viel Spaß gemacht, er hat Kontakte mit anderen Stipendiaten geknüpft, die sich bis heute halten. Seinen Förderer, Dr. Md. Karruzzaman, hat er noch nicht persönlich kennen gelernt, er freut sich aber sehr auf diesen Moment!

Zum Abschluss unseres Gespräches frage ich Nyaz, was ein besonders glücklicher Moment für ihn in Dresden war. Er erzählt von dem Glücksgefühl, das ihn durchströmte, als er zum allerersten Mal die wundervolle Aussicht von der Albertbrücke auf die Dresdner Altstadt genoss – in diesem Moment wusste er: Die ganze Mühe, hierher kommen zu können, hat sich gelohnt!

 

Portrait: Wintersemester 2017/18

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