StipendiatInnen – Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften

Unsere StipendiatInnen des Bereichs Geistes- und Sozialwissenschaften:


Jonathan Heistermann

„Mein Vorbild ist Elon Musk wegen seines stetigen Strebens Dinge umzusetzen, die scheinbar unmöglich erscheinen.“

Jonathan Heistermann (21) studiert Law in Context im 4. Semester an der TU Dresden. Seit Oktober 2016 wird er von The Schaufler Foundation mit dem Deutschlandstipendium unterstützt.

Was hat Dich von Ebstorf (Niedersachsen) nach Dresden verschlagen?

Der attraktive, einzigartige Studiengang, der gute Ruf der Exzellenzuniversität Dresden sowie die Stadt selbst, die auch für Studenten sehr lebenswert ist.

Was macht Deinen Studiengang „Law in Context“ so attraktiv und einzigartig?

Recht und Gesetz regeln unser ganz alltägliches Zusammenleben und bilden somit eine Grundfeste der Gesellschaft. Die einzigartige Ergänzung durch politische und wirtschaftswissenschaftliche Sichtweisen trägt zu einem tieferen Verständnis der Inhalte bei, was diesen von anderen juristischen Studiengängen abhebt.

Findet man Dich auch neben den Vorlesungen an der Uni?

Direkt seit Studienbeginn bin ich in zwei studentischen Initiativen aktiv. Bei PAUL Consultants e.V., der studentischen Unternehmensberatung der TU Dresden, wo ich vor allem im Ressort Finanzen & Recht mitarbeite. Und bei ELSA-Dresden e.V., wo ich letzten Sommer zum Präsidenten gewählt wurde.
Ich leite seitdem die Geschicke des etwa 200 Mitglieder starken Vereins angehender Juristen. Der Verein setzt sich in einem internationalen Kontext für Völkerverständigung und eine juristische Ausbildung ein, die über das hinausgeht, was eine Universität leisten kann. Besonders gefällt mir der ständige Austausch mit den Mitgliedern, dem Vorstandsteam, Professoren und externen Partnern sowie den 50.000 anderen ELSAnern aus ganz Europa.

Was macht ein Präsident in seiner Freizeit?

Meine liebste Freizeitbeschäftigung war bis vor kurzem Fußball. Nahezu 15 Jahre habe ich in meinem Verein gespielt und dabei sämtliche Jugendmannschaften bis in den Herrenbereich durchlaufen. Dabei stand neben dem eigentlichen sportlichen Erfolg definitiv auch das Miteinander im Fokus.

Da zu einem Spiel nicht nur 22 Spieler, sondern auch mindestens ein Schiedsrichter gehört, habe ich vor acht Jahren erfolgreich einen Schiedsrichterlehrgang absolviert und seitdem dutzende Spiele aller Altersklassen gepfiffen. Obwohl man oft der „Buhmann“ ist, macht es Spaß, anderen zu ermöglichen, ihrem Hobby auf Wettkampfniveau nachzugehen.

Was schätzt Du am Deutschlandstipendium?

Das Deutschlandstipendium ist nicht nur eine sehr motivierende Anerkennung meiner bisherigen Studienleistungen und meines Engagements, sondern ermöglicht mir auch, mich voll auf diese beiden Aspekte zu konzentrieren.

Definitiv gefällt mir auch das transparente und vergleichsweise einfache Bewerbungsverfahren. Außerdem schätze ich den Umstand, dass ein privater Förderer direkt die Leistung honoriert und viele Studierende so wertvolle Kontakte knüpfen können. Ein weiterer Punkt ist zudem das AG-System, was einen guten Rahmen zu weiterem Engagement und zum Kennenlernen anderer Stipendiaten bietet.

Hast Du schon mal einen Blick in eine unserer AG’s geworfen?

Ich war einer der Mitgründer der Nachhaltigkeits-AG, die ich auch auf der offiziellen Stipendienfeier anderen Interessierten vorgestellt habe. Wir sind momentan noch im Anfangsstadium, haben jedoch motivierte Mitstreiter und viele Ideen, wie unsere Universität nachhaltiger und gleichzeitig auch noch attraktiver werden kann.

Was steht nach Deinem Studium auf dem Plan?

Das Schöne am vielfältigen Studiengang „Law in Context“ ist, dass wir viele Möglichkeiten haben. Unternehmer oder Unternehmensjurist, Politiker oder Verwaltungsmitarbeiter – oder doch Anwalt? Auf jeden Fall möchte ich in den Arbeitsalltag einsteigen. In welchem Bereich das sein wird, wird sich im Verlauf meines weiteren, auf den Bachelor aufbauenden Studiums zeigen.

Portrait: SoSe 2017


Max Benz

Max BenzMax studiert BWL im 2. Master-Semester. Der gebürtige Großkoschener ging in Cottbus auf das mathematisch-naturwissenschaftlich-geprägte Max-Steenbeck-Gymnasium und entschied sich dann vor allem auf Grund des ausgezeichneten Rufes für die TU Dresden. Gefördert wird er in seinem ersten Stipendienjahr von der Deutsche Telekom AG.

Seine Vertiefungsrichtung ist Marketing und Management, wobei er sich vor allem auf Marketing spezialisiert. Praktische Erfahrung sammelt er nebenbei bei der Chat-Community LOVOO, wo er im Bereich Brand & Communication tätig ist. Allgemein ist Max in seiner Freizeit viel beschäftigt. Er engagiert sich bei dem Verein ROCK YOUR LIFE!, der sich für sozial benachteiligte Schüler einsetzt, aber zurzeit auch Flüchtlinge unterstützt. Daher ist Max auch Ansprechpartner für zwei junge Flüchtlinge. Zusätzlich dazu ist er stellvertretender Finanzvorstand der studentischen Gründungsinitiative GründerGarten.

Im Herbst des letzten Jahres kam ein neues Projekt hinzu. Zusammen mit seiner Freundin Lisa rief er suitApp ins Leben und hat mittlerweile die suitApp UG gegründet. suitApp ist eine Website, welche die unterschiedlichsten Business-Tools aggregiert darstellt und vergleichbar macht. Da Max selber in seinen vielzähligen Projekten verschiedene Applikationen benötigte und eine in der Form zusammengefasste Variante noch nicht auf dem deutschen Markt fand, entschieden sich die beiden, ihr eigenes Projekt zu starten. Rasch bauten sie eine Website auf und begaben sich auf die Suche nach Tools in den Weiten des Internets.

Anfangs gab es auf Grund fehlender Erfahrung Startschwierigkeiten. Erst langsam kam eine Vorstellung vom Geschäftsmodell und auch die Sammlung der Tools gestaltete sich als schwierig. Doch das Max ausdauernd ist, zeigt sich schon daran, dass er sich dreimal hintereinander für Deutschlandstipendium beworben hat, bis er es bekommen hat. Und so schrieben er und Lisa die Unternehmen anfangs an, ohne jedoch eine Antwort zu erhalten. Doch mit der Zeit haben die beiden mit über 500 Tools eine ordentliche Sammlung zusammengestellt. Unterstützung erhielten sie dabei von Freunden und Kommilitonen, die beim Aufbau der Website halfen und sich am Projekt beteiligten. Auch aus England kam unerwartete Hilfe. Der Gründer einer dort ansässigen Website für Business-Tools gab Tipps, wie sich suitApp weiterentwickeln kann.

Bisher gibt es viel positive Resonanz von Seiten der Nutzer. Dies sind zurzeit meistens Startups, die sich auf der Suche nach dem passenden Tool befinden und dabei oftmals noch die vielzähligen Foren und Gruppen der sozialen Netzwerke zur Hilfe nutzen. Allgemein richtet sich suitApp an Unternehmen aller Art. Doch für Max ist es vor allem wichtig, seine Idee auszuprobieren. Sollte es mit suitApp nicht klappen, versucht er sich an neuen Dingen. Sein Motto ist, dass er sich später nicht vorwerfen will, etwas nicht ausprobiert zu haben. Dass er jetzt durch das Deutschlandstipendium finanziell unterstützt wird, gibt ihm noch mehr Spielraum diesem Motto zu folgen.

Welcher Song läuft bei dir zurzeit? – Prinz Pi Schwermetall

Welches Buch liest du zurzeit? – Wie man Freunde gewinnt von Dale Carnegie

Was ist deine Lieblingswebsite? – t3n.de

Was sind deine Vorbilder? – Tony Hsieh (CEO Zappos), Peter Thiel (Entrepreneur)

Wie bereitest du dich auf Prüfungen vor? – Lernplan, Auswendig lernen, so gut wie möglich vorbereiten

Hast du ein Auslandssemester gemacht? – Auslandpraktikum in Barcelona im Marketing Bereich einer kleinen Firma

Wo findet man dich, wenn du abends weggehst? – Auf der Couch mit Freunden

Stadt oder Land? – Kurzfristig Stadt, langfristig Land

Coolster Ort den du bisher besucht hast, oder besuchen möchtest? – San Francisco und vor allem das Silicon Valley

Welche Sprachen sprichst du? – Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch

Dein Tipp an alle, die selber etwas Gründen wollen? – Nie aufgeben und seine Vision verfolgen

Portrait: SoSe 2017


Aleksandra Rak

Photo Aleksandra RakMein Name ist Aleksandra Rak, ich bin 23 Jahre alt und komme aus Polen. Seit dem Wintersemester 2010/11 studiere ich an der TU Dresden, derzeit im ersten Fachsemester des Masterstudienganges Kunstgeschichte und Romanistik. Diese geisteswissenschaftlichen Gebiete haben mich schon während der Schulzeit begeistert, während der ich mich bereits intensiv mit Kultur und Fremdsprachen beschäftigt habe. Dresden mit seinem Gesamtangebot war somit für mich der ideale Ort für den Beginn meines Studiums, da hier die Möglichkeit besteht, im Bachelor in einem Studium zwei Fächer miteinander zu verbinden.

Deutschlandstipendiatin bin ich seit mittlerweile drei Jahren, wobei ich von der Gesellschaft der Freunde und Förderer der TU Dresden gefördert werde. Durch das Stipendium erlangte ich eine größere finanzielle Unabhängigkeit, durch welche ich die Möglichkeit bekam nicht nur streng nach Lehrplan zu studieren, sondern auch weiterbildende Projekte wahrzunehmen. So konnte ich als Erasmusstudentin ein Semester in Bologna verbringen und so dort zusätzlich zu dem Studium zahlreiche Exkursionen an Originalschauplätze unternehmen und meine Fremsprachenkenntnisse in der Praxis vertiefen. Solche Projekte oder auch meine Teilnahme am zweiwöchigen Intensive Erasmus Program an der Goldsmiths University of London, sowie meine ehrenamtliche Tätigkeit als Kirchenführerin in der Frauenkirche Dresden wären ohne diese zusätzliche Unterstützung durch das Deutschlandstipendium nicht möglich.

Außerdem konnte ich durch das Deutschlandstipendium den Umfang meiner Nebentätigkeiten reduzieren und mich auf solche fokussieren, die einen direkten Bezug zu meinem Studium haben. So war ich bereits als Tutorin am akademischen Auslandsamt für die Unterstützung ausländischer Studierenden zuständig und bin aktuell als Studentische Hilfskraft und Tutorin am Institut für Romanistik tätig.

Portrait: SoSe 2015


Rasmus von Schwerdtner

rasmus-ebenRasmus von Schwerdtner kann man wohl mit Recht als Weltenbummler bezeichnen. Der 22‑jährige studiert im 4. Semester im Bachelorstudiengang Law in Context an der TU Dresden und ist bereits weit gereist.

Nach dem Abitur verschlug es den Bremer erst einmal für ein Jahr nach Costa Rica: „Mir gefiel die Idee meinen Zivi im Ausland zu machen und dabei auch Spanisch lernen zu können.“ Unterstützt vom entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ arbeitete er in einer Schule für Kinder mit geistiger Behinderung. Nach einem Vorbereitungskurs in Deutschland und einem Arrival-Orientation-Kurs in Costa Rica  ging die Arbeit los. Durch die Unterbringung in einer Gastfamilie konnte er seine Sprachkenntnisse erweitern und die Kultur direkt kennen lernen. „ Das Jahr dort hat mich schon geprägt. Und die Arbeit mit den Kindern hat viel Spaß gemacht.“

Für den Bachelorstudiengang Law in Context kam er anschließend an die TU Dresden. Dabei gefiel ihm der verstärkte Bezug zu internationalem Recht, der bei einem gängigen Jurastudium eher weniger ausgeprägt ist. Außerdem wusste er, dass er später nicht in einer Kanzlei arbeiten wollte, sondern lieber mit Leuten aus aller Welt. Ob nach dem Bachelor noch ein Masterstudiengang oder das Staatsexamen folgen sollt, ist noch nicht entschieden.

In der Freizeit stand viel Organisation auf dem Plan: Die letzten zwei Jahre war Rasmus Mitglied im Organisations-Team von elbMUN – einer Modellversammlung, die den United Nations nachempfunden ist und bei der die Teilnehmer als „Diplomaten“ ein Land vertreten. Die Veranstaltung findet jährlich in Dresden statt.

Das nächste Jahr wird Rasmus erst einmal in Paris verbringen. Sein Aufenthalt an der Université Paris Ouest Nanterre La Défense wird von Erasmus gefördert. Mit 4 Semestern Französischsprachkurs an der TU ist er auf seinen Auslandsaufenthalt vorbereitet, bei dem er hofft, seine Sprachkenntnisse noch etwas weiter auszuweiten.

Doch Paris ist sicher nicht das letzte Ziel, denn auch eine Reise quer durch Südamerika, ein Trip nach Namibia und Ziele in Asien stehen noch auf der To-do-Liste. Aber bei allem Reisen ist das Heimkommen doch immer wieder schön.

Portrait: SoSe 2013


Jan Heinze

DHBW_BN12_Zeugnis-RotJan Heinze (22) hat schon viel von der Welt gesehen: ein Highschool-Jahr in Georgia (USA), ein Semester in Südafrika, ein dreimonatiges Praktikum bei IBM in New York und noch andere, weit entfernte Orte. Auf das Studium in Dresden stieß er eher per Zufall. Eine Freundin gab ihm vor einem Jahr den Tipp und erzählte vom Master Internationale Beziehungen. Ein genauerer Blick auf die Inhalte, ein Gespräch und Besuch in Dresden überzeugten Jan – und das, obwohl er zu diesem Zeitpunkt ein tolles Jobangebot in London hatte.

Am Masterstudium gefällt ihm, dass er nun auch praktisch das anwenden kann, was er im dualen BWL-Bachelor bei IBM in Stuttgart gelernt hat. Jan schätzt die Organisation und die vielseitigen Vorlesungen, die am Zentrum für Internationale Beziehungen von Gastdozenten aus aller Welt gehalten werden: “Außerdem bietet das ZIS gute Connections und unterstützt die Studierenden mit einem Mentorenprogramm.”

Neben dem Studium arbeitet Jan im Apple Store. Die Arbeit dort kann er gut mit seinem Interesse für neue Technologien, die vieles im Leben effizienter machen, verbinden. Auch von der kreativen Atmosphäre ist er begeistert.

Ab Oktober legt Jan dann erst einmal zwei Urlaubssemester ein. Es könnte schon bald die nächste große Reise für ihn anstehen:  Ziel wäre die Tec de Monterrey-Universität in Mexico. Außerdem möchte Jan vielleicht noch ein oder zwei Praktika absolvieren. Dabei hilft ihm das Deutschlandstipendium weiter. Wohin es Jan nach dem Studium zieht, ist noch nicht klar. Er könnte sich vorstellen, in die Unternehmensberatung einzusteigen. Aber vorerst hat er in Dresden ein neues Zuhause gefunden…

Portrait: SoSe 2013


Jitka Novodomská

JitkaJitka Novodomská (24) studiert im vierten Master-Semester Germanistik, Sprach- u. Kulturwissenschaften mit dem Beifach Slavistik: Russisch. Sie wird mit einem Deutschlandstipendium der „Gesellschaft von Freunden und Förderern der TU Dresden e.V.“ gefördert.

An ihrem Studium schätzt Jitka, die aus Ústi nad Labem (Tschechien) stammt, vor allem den interkulturellen Austausch. Jitka spricht Tschechisch, Deutsch, Englisch und Russisch. Diese Kenntnisse konnte sie bereits bei einem Praktikum in einer Eventagentur einbringen. Sie organisierte eine Managementkonferenz, bei der sie als einzige tschechische Mitarbeiterin das gesamte Teilnehmermanagement übernahm.

Auch in ihrer Freizeit beweist Jitka Organisationstalent. Gerade kümmert sie sich um die Organisation eines Konzerts. Jitka liebt die Musik und singt auch selbst. Zudem spielte sie einige Zeit Schlagzeug und seit 10 Jahren Klavier.

Nach ihrem Bachelor in „Wirtschaftsdeutsch und Wirtschaftsrussisch“ an der Westböhmischen Universität in Pilsen (Tschechien) entschloss sie sich für ein Studium an der TU Dresden. „Durch mein ERASMUS-Semester in Regensburg entstand die Idee, in Deutschland zu studieren. Da mir der Masterstudiengang hier sehr gut gefiel und Dresden nah an meiner Heimat liegt, stand die Entscheidung schnell fest.“

Erste Erfahrungen mit Austauschstudenten hat Jitka bereits während ihrer Zeit bei AIESEC in Pilsen gesammelt, wo sie im Team „Incoming Exchange“ arbeitete. „Die Arbeit mit Menschen und verschiedenen Sprachen ist mir wichtig!“

Außerdem hat Jitka das Ziel, einmal jeden Kontinent dieser Welt zu bereisen. Bald reist sie nach Ekaterinburg (Russland), um dort im Rahmen einer Studienreise das Thema „Russen in Dresden – Deutsche in Ekaterinburg“ zu erörtern.

Portrait: SoSe 2013


Sandra Göttlinger

SandraSandra ist 23 Jahre alt und studiert nach ihrem Bachelor in Verkehrswirtschaft im ersten Mastersemester Betriebswirtschaftslehre. Sie wird in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal durch das Deutschlandstipendium gefördert und berichtet an dieser Stelle über ihr Auslandspraktikum in Südafrika, welches sie sich mithilfe der Förderung vergangenen Sommer finanzieren konnte.

Wohl erst als ich im Flugzeug saß, hatte ich so langsam eine Ahnung, was es bedeutet nach Kapstadt, nach Südafrika, dem einzigen industriellen Staat in Afrika, zu reisen. Für Ökonomen zählt Südafrika zu einem der Schwellenländer, welchem große Zukunftschancen bevorstehen; auch bekannt unter dem Namen BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika).

Meine Vorstellung von Südafrika war daher auch eher die eines fortschrittlichen Staates. Diese wurde jedoch bereits während der Fahrt vom Flughafen nach Kapstadt Downtown revidiert. Die Fahrt führte vorbei an einem von Kapstadts Townships. Aber dazu später mehr.

Mein neuer Arbeitsgeber

Und dann begann auch schon meine erste Arbeitswoche bei Lufthansa Global Load Control (GLC). Hier werden Flugzeuge „in Balance“ gebracht (getrimmt), so dass der Schwerpunkt weder zu weit vorn noch zu weit hinten liegt. Die Arbeitswoche war zu Beginn allerdings recht kräftezehrend. In meinem Praktikum habe ich besonders Projektaufgaben übernommen. Ein Projekt beinhaltete die Aufgabe neue Airlines aufzunehmen. Dafür musste ein Prozess ermittelt und definiert werden, was mir die Gelegenheit bot, mit allen Abteilungen zu sprechen. Des Weiteren habe ich Flugplanungssysteme recherchiert, welche anstatt der bisher implementierten Systeme genutzt werden können.

Die ersten Feierabende nutzte ich zur Erkundung des Stadtteils, in dem ich gewohnt habe. Hier begegnete mir bereits die erste Einschränkung: niemals (auch nicht in Begleitung) in Dunkelheit draußen herumlaufen zu können. Dennoch, an den Hängen des Tafelbergs zu wohnen war toll – einerseits der Ausblick auf den Berg, andererseits der Blick auf die Stadt bis hin zum Ozean und Robben Island.

Die Herausforderung der Fortbewegung

Zu sehen gibt es in Kapstadt einiges. Dank der Fußballweltmeisterschaft sind viele Sachen in Ordnung gebracht worden. Neben der Victoria & Albert Waterfront, welche neben dem großen Einkaufszentrum auch einen Hafen sowie die Marina in sich vereint, gibt es einige tolle Strände und Buchten, viele Museen, Parks und natürlich den Tafelberg sowie die angrenzenden Berge.

Ohne Auto ist es jedoch schwierig diverse Ausflugsziele zu erreichen. Es gibt zwar einen öffentlichen Verkehr, dieser ist jedoch sehr schlecht ausgebaut. Die Fahrt mit den Taxis unterscheidet sich deutlich von den Cabs, die wie unsere Taxis funktionieren: an der Straße stehen und Ausblick nach einem maroden Kleinbus zu halten, den Bus zum Stopp heranzuwinken, um dann schnell einzusteigen (denn das Taxi wartet nicht), das Geld nach vorn durchzureichen (den Betrag muss man natürlich kennen) und zu einem passenden Zeitpunkt laut zu rufen, wo man rausgelassen werden möchte, ist nicht jedermanns Sache. Jegliche Verkleidung der Türen fehlte und der einheimische Fahrstil ist ebenso abenteuerlich wie das Taxi.

Get Together mit Einheimischen

Ein anderes Erlebnis wird mir in ganz besonderer Erinnerung bleiben. Mit zwei meiner Mitbewohner folgte ich einer Einladung zu einer Arbeitskollegin. Als wir mit dem Bus Kapstadt Downtown verließen und die Häuser immer kleiner und schließlich zu Wellblechhütten wurden, erkannten wir, dass wir wohl in einem Township landen würden.

Den ganzen Tag über kamen Leute, die uns unbedingt kennen lernen wollten. Scheinbar wussten die ganzen umliegenden Straßen, dass „weißer Besuch“ kommen würde. Abends gab es dann Maisbrei und eine Art Wurst, in der alle essbaren Teile des Tieres enthalten waren. Gegessen wurde mit den Fingern. Für die Menschen, die wir an diesem Abend kennen lernten, waren wir etwas Besonderes – für uns waren sie etwas Besonderes.

Die Verhältnisse sind außergewöhnlich für uns. Die Menschen wohnen in Hütten, die sie sich selbst aus gesammelten Materialien gebaut haben, teilweise aber auch in vom Staat gebauten Häusern. Geschlafen haben wir zu dritt in einem Doppelbett. Wir waren sehr berührt davon, da es in dem Haus nur drei Betten und ein Sofa gab und wir letztlich nicht wussten, wo die Familie geschlafen hat. Am Morgen wollten uns die Kinder der Familien dann unbedingt noch ihr neues Musikstück vorspielen, welches sie mit einer Lehrerin für uns gemeinsam einstudiert hatten.

Vergangenheit und Gegenwart

Ein Thema, dem man in Kapstadt immer wieder begegnet, ist die Apartheit. Egal ob beim Besuch von Museen oder der Gefangeneninsel Robben Island – die Vertreibung der schwarzen Bevölkerung aus den Stadtteilen ist heute noch sichtbar. Das wohl einprägsamste Beispiel ist der District Six, der damals platt gewalzt wurde und bis heute nicht bebaut ist – eine grüne Wiese mitten in der Stadt. Auch das Vorhandensein von Townships spiegelt die Schwierigkeiten heute noch wieder.

Ein nachdenklicher Abschied

Nach zwei Monaten ging mein Aufenthalt wieder zu Ende. Ich hatte viel gesehen und erlebt. Zu einigen Höhepunkten zählten dabei die Besteigung des Tafelbergs, ein Besuch der Weinregion um Stellenbosch und natürlich eine Fahrt zum Kap der Guten Hoffnung.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Der Aufenthalt wurde mir v. a. durch das Deutschlandstipendium, welches ich letztes Jahr von der „Gesellschaft von Freunden und Förderern der TU Dresden e.V.“ erhalten habe, ermöglicht.

Wenn ich heute, vier Monate nachdem ich wieder zu Hause angekommen bin, die Zeitung aufschlage, weiß ich immer noch nicht, was ich denken soll. Ist Südafrika wirklich eines der Länder, die den Sprung schaffen werden? So wie bei den Streiks in den Diamantminen, aber auch auf den Straßen Kapstadts habe ich immer wieder neue Unruhen und Demonstrationen erlebt.

Südafrika ist in Kapstadt sehr europäisch und fortschrittlich und hat somit meine Erwartungen bestätigt. Man darf jedoch bei all dem Glanz Kapstadts nie vergessen, wie es in den restlichen Gebieten Südafrikas aussieht. Hier gibt es noch viel zu tun. Nelson Mandela hat dem Land neue Hoffnung gegeben. Ich kann nur hoffen, dass das Land diese Chance wahrnimmt…

Portrait: SoSe 2013


Stephanie Gaaw

StephanieStephanie Gaaw (22) studiert im fünften Semester Soziologie an der TU Dresden und wird mit einem Deutschlandstipendium der Gesellschaft von Freunden und Förderern der TU Dresden e.V. gefördert. Sie arbeitet neben dem Studium am Institut für Soziologie als Tutorin und möchte nach dem Studium forschen und promovieren.

Nach dem Abitur machte Stephanie sich erstmal selbstständig und verkaufte eigens hergestellte Schuhe und Taschen. Dass sie nun Soziologie studiert, war für sie die richtige Entscheidung: „Soziologie kann man auf viele Bereiche anwenden, das Studium hat meinen Blick auf die Gesellschaft geschärft und mich kritisches Denken gelehrt“, sagt sie. Ihre Finger ruhen dennoch nicht – in ihrer Freizeit bastelt sie nun unter anderem Weihnachtssterne, deren Anfertigung bis zu 7 Stunden dauern kann und die sie in Zukunft für einen wohltätigen Zweck verkaufen möchte.

Stephanies Mutter kommt aus der Mongolei. Ihre Familie dort hat Stephanie schon mehrfach besucht: „Ich würde mir wünschen, dass sich die Deutschen etwas von der Ruhe und Gelassenheit der Mongolen abgucken“.

Mit dem Deutschlandstipendium finanziert sie sich ihr Fernstudium in Psychologie, das sie im WS 2012/2013 aufgenommen hat.

Portrait: SoSe 2013