StipendiatInnen – Bereich Lehramt

Richard Mengs

Richard Mengs, 24, studiert im 9. Semester Geographie und Deutsch auf Lehramt und absolviert gerade ein Praktikum an der Deutschen Schule in Sofia, welche einen Begegnungsort für deutsche, bulgarische und Schüler*innen anderer Länder darstellt. Nachdem er die Unterrichtsstunden für die kommende Woche vorbereitet hatte, hielt er sich seinen Sonntagabend für unser Gespräch via Facetime frei. In seinen Klassen sitzen gerade Schüler*innen aus bis zu 16 Nationalitäten! Um sich mit Menschen aller Kulturen gut verständigen zu können, hat Richard neben dem Hauptstudium bereits acht Englisch-Unikurse besucht und hat dadurch zwei C-Level Englisch-Diplome abgelegt. Für sein letztes Auslandspraktikum, das im Herbst 2017 in Porto stattfand, hatte er auch erste Portugiesisch-Kenntnisse gesammelt.

Richard ist glücklich, durch das Lehramt-Studium seine zwei Leidenschaften, die Geographie und die Literatur, verknüpfen zu können. Die Geographie fasziniert ihn, da sie die unterschiedlichsten Disziplinen miteinander vereint: Neben der Geomorphologie gibt es u. a. die Human-, Wirtschafts- und Vegetationsgeographie. Gesellschaftswissenschaften treffen auf Naturwissenschaften wie in keinem zweiten Fach. Alle Disziplinen zeigen, wie komplex die Zusammenhänge auf unserer Erde sind und welche Auswirkungen unser kleinstes Handeln hier in Dresden auf die Arktis oder den Regenwald haben kann. Richard appelliert verschmitzt an alle Dresdner Maschinenbau-Studierenden, für die Zukunft nachhaltige Verkehrsmittel weiterzuentwickeln.

An der Germanistik faszinieren ihn gleichermaßen die Literatur- und die Sprachwissenschaft. Richard liebt die Literatur dafür, dass sie auf poetische Art und Weise philosophische, geschichtliche und politische Themen behandelt und zum Nachdenken anregt. Einer von Richards Lieblingsromanen ist Franz Kafkas „Der Prozess“, der eine schreckliche menschliche Erfahrung ästhetisch zugänglich macht. Die Sprache fasziniert ihn dahingehend, dass sie das unmittelbarste Medium zwischen zwei Menschen ist, allgegenwärtig und dennoch nicht immer bewusst gebraucht. Richard hat während seines Studiums seinen Sprachgebrauch auf jeden Fall kontinuierlich weiterentwickelt und sieht es als große Chance, seine erworbenen Kenntnisse als Lehrer weiterzugeben.

Noch vertieft wurde diese Erfahrung während seiner Arbeit als Studentischer Mitarbeiter in der Erziehungswissenschaftlichen Lehr- und Forschungswerkstatt der TU Dresden, kurz ELF, wo Ich-Botschaften an der Tagesordnung standen. Die ELF ist ein Projekt, das mehr Praxiserfahrung in die universitäre Lehrer*innenbildung bringt. Dort können Studierende u.a. Wochenend-Blocktrainings zu Themen wie „Selbst- und Fremdwahrnehmung“, „Interkulturelle Kompetenzen“ und „Körper & Stimme“ besuchen, durch die sie ihre personalen und sozialen Kompetenzen für zukünftige Herausforderungen ausbauen. Das Besondere ist: Die Trainings sind von gecoachten Studierenden geleitet, das Lernen funktioniert hier also nach dem Peer-Multiplikatoren-Prinzip. Richard besuchte im Sommersemester 2015 sein erstes Training – dies war der Beginn seiner ELF-Laufbahn. Darauf aufbauend entschied er sich, das Zertifikat „lehren.lernen“ zu durchlaufen, zu dem vier besuchte und zwei selbstgeleitete Veranstaltungen gehören. Dann wurde er als Studentischer Mitarbeiter angeworben. Insgesamt leitete Richard in den letzten Jahren 5 Wochenendtrainings, 3-mal zum Thema „Leitungskompetenzen“ und 2-mal zum Thema „Zeitsouveränität“. Der gesammelte Erfahrungsschatz kommt Richard nun während seiner Blockpraktika zugute: Er merkt, dass er viel selbstbewusster vor Schulklassen steht und seinen Unterricht, aber auch den Umgang mit Kolleg*innen aus einer humanen und bedürfnisorientierten Perspektive sieht.

Um einmal eine ganz andere Berufserfahrung zu sammeln, wird Richard nach einem kurzen Stopp in Dresden von Mai bis Juli 2018 ein Praktikum am Bukarester Goethe-Institut bestreiten. Wenn er danach wieder längerfristig in Dresden ist, hofft er sehr, seine Deutschlandstipendiums-Förderer, Alumni der TU Dresden, einmal persönlich kennenzulernen. Der Dezembertag im Jahr 2017, als Richard nach einiger Zeit auf der Warteliste seine rückwirkende Zusage ab dem Wintersemester 2017/18 erhielt, war ein höchst erfreulicher Moment für ihn. Die Förderung zeigt ihm, dass sich die ganzen Anstrengungen und zusätzlichen Leistungen neben dem Studium gelohnt haben. Er sieht sie als eine große Auszeichnung, die ihm Selbstvertrauen für anstehende Aufgaben gibt. Nicht zuletzt ist er natürlich sehr glücklich über die finanzielle Erleichterung. Er fühlt sich, als wurde ihm eine große Last von den Schultern genommen – er kann sich nun mit leichterem Kopf auf die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft konzentrieren. Dafür möchte er allen Menschen, die seine Förderung ermöglicht haben – den Alumni und den Deutschlandstipendiat*innen der TU Dresden, die gespendet haben – ganz herzlich danken.

Neben einem Treffen mit seinen Förderern freut sich Richard ebenso darauf, wieder Ausflüge ins Elbsandsteingebirge zu machen. Dort kann er wunderbar runterkommen, sich sammeln und an seinen Lieblingsmaler, C. D. Friedrich denken. Für die Zeit nach seinem Staatsexamen im Sommer 2019 steht übrigens noch alles offen: Am Lehrerberuf findet Richard die Verbindung von Fachwissenschaft und sozialer Interaktion super, genau wie die Chance, die Zukunft der Heranwachsenden und somit unserer Gesellschaft zu formen. Da die Einstellungszahlen für sächsische Gymnasiallehrer*innen in den nächsten Jahren jedoch nur schwer absehbar sind, könnte er sich auch eine akademische Karriere im In- oder Ausland sehr gut vorstellen. Es bleibt spannend…

Portrait: Wintersemester 2017/18

 


Kristin Klein

++Mein Name Kristin Klein. Ich studiere im 4. Semester Master für das Höhere Lehramt an Gymnasien mit den Fächern Kunst und Deutsch.

Dass man auch Kunstpädagogik an der TU Dresden studieren kann, verwundert selbst Angehörige der Universität immer wieder – ich erzähle dann von der Kunstpädagogik als einem zwar kleinen Fachbereich, dafür aber als Disziplin mit vielen Möglichkeiten, gerade auch für interdisziplinäre Grenzgänge und Grenzüberschreitungen.

Ich habe das Glück, schon mehrere Jahre durch das Deutschlandstipendium gefördert zu werden. Davon konnte ich bereits auf vielerlei Weise profitieren: Da sind zum Beispiel die engagierten Menschen, die mir auf diese Weise begegnet sind und mit denen ich im Austausch stehe.

Es ist schön zu sehen, wie das Netzwerk im Laufe der letzten drei Jahre gewachsen ist und verschiedene AG ins Leben gerufen wurden. Gemeinsame Diskussionsrunden, Summer Schools o. ä. könnten die Perspektiven auf unterschiedliche Fachbereiche und wissenschaftliche bzw. gesellschaftliche Problemstellungen sicherlich noch erweitern.

Durch das Deutschlandstipendium konnte ich mir einige Wünsche erfüllen, die meinem Welten-bummler-Ich sehr entgegenkamen: etwa ein Praktikum an der Deutschen Schule in Helsinki oder Reisen zu Kongressen und Ausstellungen im In- und Ausland.

Das Prägendste für mich aber war das Semester, welches ich an der der Boston University verbrachte. Dieses halbe Jahr hat meinen Blick auf universitäre Lehre, auf die Bedeutung von kultureller Vielfalt und auch auf mich selbst tiefgreifend verändert. Neben den Nächten, die man sich dort in der Bibliothek um die Ohren schlug, probierte ich viele neue Dinge aus (Science & Cooking Lectures in Harvard, der Besuch eines Quidditch-Spiels am MIT, Zen-Meditation im buddhistischen Zentrum …). Es werden mir davon viele Momente und Begegnungen in Erinnerung bleiben.

Daher danke ich an dieser Stelle meinem Förderer, der Gesellschaft der Freunde und Förderer der TU Dresden, für die finanzielle Unterstützung, ohne die viele dieser Erfahrungen nicht möglich gewesen wären.

Portrait: WiSe 2015/16

 

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