Michael Keschka

Michael Keschka„Zum Rudern bin ich über meine Familie gekommen, da fast alle Mitglied im Verein sind.“

Michael Keschka (28) studiert Verfahrenstechnik im 11. Semester mit dem Schwerpunkt Lebensmitteltechnik an der TU Dresden. Seit 5 Jahren wird er von der Robert Bosch GmbH Verpackungstechnik mit dem Deutschlandstipendium gefördert.

Bist Du nach der Schule direkt mit Deinem Studium durchgestartet?

Nein. Schon während meiner Abitur-Zeit habe ich neben der Schule bereits 5-9 mal pro Woche fürs Rudern trainiert – vorwiegend Rudern auf der Elbe. Als nationaler Kader erhielt ich nach dem Abitur die Möglichkeit in die Sportfördergruppe der Bundeswehr einzutreten und mich ganz auf den Sport zu konzentrieren. Nach zwei relativ erfolgreichen Jahren (Bronze & Silber bei der U23 WM) verlor ich den Rückhalt von Verband und Trainer. Ich entschied mich daher gegen das von kompromissloser Spezialisierung und selbstverständlicher Entbehrung geprägte Sportlerdasein, um einen Strich zu ziehen und etwas Neues zu beginnen, von dem man später auch noch leben kann. Und ich hoffe, dass das mit dem Diplom an der TU auch gut funktionieren wird.

Warum hast Du Dich für die Lebensmitteltechnik entschieden?

Nachdem ich Englisch und Maschinenbau als Leistungsfächer im Abi absolviert hatte, war die technische Richtung für mich schon irgendwie klar. Der Studiengang Maschinenbau hat mich aber aufgrund der hohen jährlichen Zahl an Studienanfängern und der damit verbundenen gefühlten Anonymisierung abgeschreckt. Verfahrenstechnik ähnelte Maschinenbau stark, hatte interessantere Vertiefungsrichtungen im Hauptstudium und zudem deutlich weniger und etwas kleinere Seminargruppen.

Was würdest Du im Studium ändern, wenn Du nochmal die Wahl hättest?

Mittlerweile bin ich froh, dass alles so passiert ist, wie es passiert ist. Ich habe jedoch nicht das Gefühl, ein „typisches“ Studentenleben geführt zu haben. Vielleicht würde ich gerade am Anfang des Studiums ein paar Prioritäten anders setzen und u.a. statt des häufigen Rudertrainings mehr Zeit für Freunde und nachhaltigere Prüfungsvorbereitung investieren.

Engagierst Du Dich neben dem Studium?

In den ersten 6 Semestern habe ich mich im FSR Maschinenwesen engagiert, u.a. als stellvertretender Finanzer und studentisches Mitglied im Prüfungsausschuss der Fakultät. Mir hat daran gefallen, einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können, Verantwortung zu übernehmen und für die Studierenden stets direkter Ansprechpartner zu sein. Mit meinem Fachpraktikum im 7. Semester außerhalb von Dresden habe ich meine Posten an die nächste Generation weitergegeben.

Außerdem engagiere ich mich als Wettkampfrichter für den Rudersport. Nach meiner aktiven Zeit wollte ich nah an diesem Sport dran bleiben und etwas Positives zum Gelingen beitragen. Nach einem Jahr Erfahrung sammeln als Assistent auf verschiedenen Regatten habe ich die nationale Lizenz erfolgreich absolviert und fahre seit dem an ca. 6-10 Wochenenden im Jahr zu verschiedenen großen und kleinen Ruder-Regatten in Deutschland.

Was schätzt Du am Deutschlandstipendium?

Meine erste Bewerbung wurde abgelehnt. Als ich ein Jahr später nach meiner erneuten Bewerbung die Aufnahme in den Händen hielt, war das wie ein Ritterschlag für mich. Endlich sagte mal jemand höchst offiziell: „Danke für dein Engagement!“ Nicht, dass ich das gebraucht hätte, aber es war schon eine Form von Bestätigung und zeigte, dass mein Engagement nicht so verkehrt sein konnte. Es ermöglicht mir zudem, dass ich weitgehend auf Nebenjobs verzichten kann.

Am Deutschlandstipendium schätze ich am meisten den Ruf. Man wird (zumindest gefühlt) einfach anders, ernster wahrgenommen. Außerdem wird einem großer Spielraum zur Verwirklichung von Ideen in einer AG geboten. Die verschiedenen AG’s selbst arbeiten unermüdlich und bieten kontinuierlich Workshops und Exkursionen an und auch die Unterstützung durch die Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle bei Problemen ist großartig!

Wie verläuft der Kontakt zu Deinem Förderer?

Es gibt Phasen, in denen man mal mehr und mal weniger Kontakt hat. Er verläuft aber stets sehr offen und wertschätzend. Seitdem ich gefördert werde, habe ich schon zwei Exkursionen zu den Werken von Bosch in Stuttgart und Weert (Niederlanden) mitmachen dürfen. Flug, Transfer, Unterkunft und Verpflegung wurde alles für uns organisiert und übernommen – das hat mich positiv überrascht und sehr gefallen. Zudem ist zurzeit eine dritte Exkursion in Planung.

Sehr gefallen hat mir auch ein Bewerbungsfoto-Shooting in Dresden, bei dem wir Bosch-Stipendiaten uns in einem Café zum Smalltalk und Update mit unserem Stipendiengeber getroffen haben. Parallel ist immer einer von uns bei einem von Bosch organisierten professionellen Fotografen im Studio gewesen und hat sich ablichten lassen. Die Ergebnisse haben wir später zugeschickt bekommen und durften diese frei verwenden.

Warst Du schon mal außerhalb Europas unterwegs?

Meine bisher größte Reise war sicherlich 2015 für fast einen Monat nach China. Mein Zwillingsbruder hat seine chinesische Freundin in Shanghai geheiratet. Bei dieser Gelegenheit bin ich zusammen mit meiner Freundin 3 Wochen auf eigene Faust mit Rucksack durch China gereist. Die Menschen, das Land, die Kultur – das war schon alles sehr beeindruckend. Am meisten gefallen hat mir ehrlich gesagt, dass die Menschen in China ein sehr gute Meinung über uns Deutsche haben und uns gegenüber extrem hilfsbereit waren. Das hat uns mehrfach Türen geöffnet und uns ab und zu auch gerettet.

Und wie geht es nach Deinem Studium weiter?

Ich würde mir gerne etwas Auszeit nehmen und zusammen mit meiner Freundin durch Spanien wandern. Beruflich halte ich Ausschau nach einem Trainee-Programm im Bereich Technical Management oder Qualitätssicherung in der Lebensmittelindustrie.

Portrait: SoSe 2017

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